Strahov Stadion

Das Strahov Stadion ist mit Sicherheit ein Gigant. Der riesige Stahlbetonklotz auf dem Petrin wird heute leider mehr denn je, dem kommunistischen Gedanken der Massensportveranstaltungen zu geschrieben. Dieser Gedanke ist nicht ganz falsch. Aber die Geschichte des Stadions und die Geschichte der Sokol Bewegung in Tschechien lehrt uns heute vielleicht auch ein Umdenken. Das Stadion auf dem Petrin ist von der ganzen Stadt aus zu sehen. Zumindest, wenn man etwas erhöht steht. Denn es wurde nicht wie andere Stadien in die Höhe gebaut, sondern in die Breite. Die innere Fläche umfasst eine Größe von 9 Fußballfeldern auf einer Gesamtfläche von über 70.000 m². Die Kapazität fasste zu Spitzenzeiten über 250.000 Besucherplätze. Nicht um sonst trägt das Strahov Stadion auch heute noch den Titel des größten Stadions der Welt.
Das Spielfeld des Stadions Strahov
Das Spielfeld des Stadions Strahov

Der Bau des Strahov Stadion

Die Geschichte des Stadions beginnt in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Da das Stadion ursprünglich aus Holz bestand, wurde in den 30 Jahren bereits ein Ausbau mit Stahlbeton durchgeführt. Dieser Ausbau stand unter der Aufsicht des bekannten tschechischen Präsidenten Czernin Palais. Noch heute sind Teile der Tribüne (Nordseite) und die alten Türme aus dieser Zeit erhalten. Zu dieser Zeit war die Sokol-Bewegung in Tschechien sehr stark. Der Gedanke des Sokols kam allerdings aus Deutschland. Ihre Idee liegt der deutschen Turnerbewegung zu Grunde. Diese Turnerbewegung war es auch, die die bis heute bekannten Spartakiaden einführte. Dabei ging es zum einen um die sportliche Ertüchtigung und zu anderen auch damals bereits um ein gemeinsames nationales Auftreten.
Ein alter Turm im Strahov Stadion
Ein alter Turm im Strahov Stadion

Die Sokol-Bewegung in Tschechien

Dieser Gedanke war  zur Zeit der ersten Republik durchaus wichtig. Das nationale Gefühl der Tschechoslowaken existierte zum damaligen Zeit nicht. Es war noch nicht so lange her, dass die Tschechoslowakei aus der k.u.k. Monarchie entstanden war. Daher hatten diese Massenevents zu Ihrer damaligen Zeit auch politisch ihre Berechtigung. Zur Zeit des Nationalsozialismus war die Sokol-Bewegung verboten. Tschechischer Nationalstolz passte nicht ins Bild der deutschen Besatzung. Die Führungsriege der Sokol-Bewegung wurde ermordet. Erst nach dem Krieg gründete sich die Bewegung neu. Sie wurde aber auch drei Jahre später durch die Kommunisten wieder verboten. Die Kommunisten wiederum erkannten, dass die Spartakiaden ein gutes Instrument zur Machtveranschaulichung ist. Daher erweiterten sie das Strahov Stadion nochmals und führten im Rhythmus aller 5 Jahre eine Spartakiade durch. Nach Erzählung einiger Wissenschaftler stand bei den ersten Spartakiaden die militärische Präsenz im Vordergrund. Später erst ging der sportliche Gedanke in den tschechischen Spartakiaden auf.
Stadion Strahov Praesitentenzimmer
Präsidentenzimmer im Stadtion Strahov

Spartakiaden im Strahov Stadion

Während der Spartakiaden herrschte in Prag der sprichwörtliche Ausnahmezustand. Zu den 250.000 Gästen, die im Stadion auf ihren Plätzen saßen, kamen weitere 30 bis 60.000 Athleten und Trainer hinzu. Insgesamt musste Prag mit über einer Million Gästen in dieser kurzen Zeit klar kommen. Die meisten Gäste wurde während der Spartakiaden in Schulen untergebracht. Aber nicht nur die logistische Herausforderung, auch die Versorgung der Gäste war zu dieser Zeit eine Meisterleistung. Die Spartakiaden wurden in Strahov Stadion in der Zeit von 1955 bis 1985 durchgeführt. Lediglich 1970 fiel sich nach den Unruhen des Prager Frühlings aus. Ein Versuch der Wiederbelebung dieser Spiele scheitere. Daher wurde in den Jahren nach der samtenen Revolution das Stadion für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Bands wie U2, die Rolling Stones und Pink Floyd spielten hier vor über 150.000 Zuschauern.

Die Zukunft

Der heutige Zustand des Stadions ist katastrophal. Aufgrund von Einsturzgefahr dürfen heute nur maximal 56.000 Zuschauer das Stadion betreten. Bereits vor 10 Jahren berechnete man, dass die Rekonstruktion des Stadions 1.5 Milliarden Euro Kosten würden. Dieses Geld ist nicht vorhanden, sodass man heute versucht neue Lösungen für den Komplex zu finden. Das erweist sich allerdings als schwierig. Ein Abriss kommt nicht in Frage, da die UNESCO das Stadion auf die Liste der zu schützenden Objekte gestellt hat. Heute wird über eine Umfunktionierung zu einer Parkanlage mit Wohnungen und Sportstätten nachgedacht.
Stadion Strahov BilcknachPrag
Blick aus dem Stadion auf Prag

Karte

Tipp

Das Strahov Stadion steht nicht für einen Besuch offen. Dennoch ist es so, dass auf einem der Fußballfelder heute das Vereinshaus des Fußballclubs Sparta steht. Dort habt ihr sicherlich die Möglichkeit das Gelände zu betreten. Außerdem gibt es an der Westseite das Café Presidenten Tribüne. Leider konnte ich keine Öffnungszeiten ausmachen. Aber hier könnt ihr einen Kaffee auf der Tribüne schlürfen.
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