Přemysl Pitter

Přemysl Pitter – Tschechische Persönlichkeiten Nr.1

Přemysl Pitter – Tschechische Persönlichkeiten Nr.1

Inhalt

Přemysl Pitter war ein außergewöhnlicher Mann. Leider ist er in Deutschland heute nicht mehr wirklich bekannt. Mit meiner neuen Beitragsreihe über tschechische Persönlichkeiten möchte ich versuchen, diesen Verlust ein wenig gerade zu rücken. Ich fange dabei gern mit Přemysl Pitter an. 

Aus gutem Grund war er Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Durch seine Arbeit mit Kindern aus Konzentrations- und Internierungslagern jedweder Herkunft kann man auch heute noch die Gegenwart ein wenig besser verstehen, wenn man auch ein Auge auf seine Arbeit in der Vergangenheit wirft.

Der Anfang

Vielleicht fangen wir besser am Anfang an. Přemysl Pitter wurde am 21. Juni 1895 geboren. Seine sechs Geschwister starben bereits im Kindesalter. Auch seine Mutter verstarb, als Pitter gerade 16 Jahre alt war. Zwei Jahre später verstarb auch sein Vater. Woraufhin Pitter sich freiwillig auf den Weg an die Front des ersten Weltkrieges aufmachte. 

Als er von der Front zurückkehrte, hat sich vieles in ihm verändert. Von nun an war er ein tiefgläubiger Christ und stellte sein Leben in den Dienst der Schwachen. Als der Pazifist und Kriegsdienstgegner der er nun war, wirkte er nun unter anderem im internationalen Versöhnungsbund und der Liga der Menschenrechte mit. Genauso engagierte er sich in der Liga für den Tierschutz und war Vorsitzender des Tschechoslowakischen Vegetariervereins. 

1924 brachte er die Zeitschrift Sbratřeni (Verbrüderung) heraus. Hier ging es um die Erneuerung des Geistes und der Gesellschaft.

Das Milíč Haus

Im Prager Stadtteil Žižkov arbeitete er als Bevollmächtigter der Kinderfürsorge und lernte dort schnell die Nöte von armen Familien kennen. Deren Leid ließ ihn nicht los, woraufhin er viele Aktivitäten für Kinder plante. Letzten Endes nahmen über 100 Kinder regelmäßig an den Zirkeln teil. Nun bedurfte es langsam eines Hauses, wo sich die Kinder aufhalten konnten. 

Mit Hilfe von Spenden und freiwilligen Sammlungen gelang es ihm das sogenannte Milíč-Haus am heiligen Abend 1933 zu eröffnen. Dieses Haus hatte anfangs nur eine Etage und einen Garten, konnte jedoch bis 1936 weiter ausgebaut werden. Hier entstand die erste Kindertagesstätte der damaligen Tschechoslowakei. Im Jahr 1938 kam noch das Erholungsheim Mýto bei Rokycany hinzu. Diese Planungen an den Häusern und an den Aktivitäten für mittellose Kinder war jedoch nur der Anfang seiner wichtigen Tätigkeit. 

Im Jahr 1938 wurden in den Häusern auch Kinder deutscher Emigranten, welche sich auf der Flucht aus Nazi Deutschland befanden untergebracht. Während der Zeit der Okkupation unterstütze Přemysl Pitter heimlich jüdische Familien.

"Aktion Schlösser" 1945 - 1947

Das Leben der Kinder aus deutschen Konzentrationslagern und tschechischen Internierungslagern war nach dem Krieg oftmals nicht viel besser, als währenddessen. Daher wurde nach dem Krieg die Aktion Schlösser ins Leben gerufen. Auf vier Schlössern in der Umgebung Prags und einer Pension wurden Erholungsheime für Kinder eingerichtet. 

Die wichtigste Aufgabe bestand in der Anfangszeit diesen Kindern wieder regelmäßige gesunde Nahrung zukommen zu lassen. Aber auch medizinische Betreuung war ausgesprochen wichtig. 

Ich möchte an dieser Stelle den Arzt Dr. med. Emil Vogl nicht unerwähnt lassen. Dieser jüdische Arzt hatte seine gesamte Familie während der Kriegsjahre verloren und kam selber halb verhungert aus einem Konzentrationslager zurück. Trotzdem kümmerte er sich aufopferungsvoll um die vielen Kinder.

Přemysl Pitter verurteilte die Willkürakte an der deutschen Bevölkerung und kritisierte die inhumane Behandlung der Deutschen in den tschechoslowakischen Internierungslagern. Er setzte sich sehr dafür ein, dass die Kinder nicht für die Taten ihrer Eltern verantwortlich gemacht wurden. Das war in der Nachkriegszeit ein Gedanke, der weder bei der tschechischen Öffentlichkeit noch bei den Behörden ankam. Und so eckte Pitter immer mehr mit dem kommunistischen Regime an. Die Konfrontation endete im Jahr 1951. In diesem Jahr ging es für Přemysl Pitter ins Exil.

Dennoch hat die Aktion Schlösser über 800 Kindern gerettet und geholfen Familien nach dem Krieg wieder zusammenkommen zu lassen. Über die Hälfte der Kinder war deutscher Nationalität.

Mehr Informationen über Přemysl Pitter

Wenn ihr mehr über Přemysl Pitter erfahren wollt, empfehle ich Euch ein Besuch des pädagogischen Museums in Prag. Aber auch die website http://pitter.eu/ bietet viele weitere Informationen an. Hier erfahrt ihr Ihr auch, was aus den Schlössern von damals wurde.

Quellenangaben

Přemysl Pitter – Europäischer Humanist und Kinderretter ISBN 978-80-86935-40-9
Pädagogisches Museum Stadt Prag

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