Kirche St. Nikolaus auf der Kleinseite

Ich versuche bei meinem Beiträgen über Prag Superlativen zu vermeiden. Aber wer Prag kennt, weiß dass dies fast unmöglich ist. Und so muss ich auch bei der Beschreibung der St. Nikolaus Kirche wieder auf viele Superlative zurückgreifen. Denn das monumentale Gebäude der St. Nikolaus Kirche auf der Kleinseite in Prag (es gibt noch einen andere am Altstädter Ring) gehört zu den bedeutendsten barocken Sakralbauten in Europa.

Nikolaus Kirche | Altarraum
Der Altarraum der Nikolaus Kirche liegt unter einer beeindruckenden Kuppel.

Eine Architektur der Superlative

Die Kirche des heiligen Nikolaus auf der Kleinseite Prags wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut. Ihre Einweihung fand im Jahr 1752 statt. Kilian Ignaz Dientzenhofer war einer der Architekten dieser monumentalen Barockkirche. Dabei hatte Dientzenhofer hier nur die Arbeiten seines Vaters weiter ausgeführt. Dennoch finden wir dieses Architekten auch bei vielen anderen sakralen Bauten in Prag wieder. So führte er auch die Umbau Arbeiten am Stift Brevnov durch.

Es gab jedoch bereits einen Vorgängerbau an dieser Stelle. Seit dem frühen 13. Jahrhundert stand an hier eine gotische Kirche. Sie war ebenfalls dem heiligen Nikolaus geweiht. Wie ich schon so oft in diesem Blog beschrieben habe, war die Schlacht um den Weißen Berg auch eine Wende in architektonischer Hinsicht. Die Katholiken wollten ihren Glauben wieder aufbauen und festigen und so begann man an dieser Stelle erst mit dem Neubau des Jesuitenkollegs (steht heute noch neben der Kirche) und später mit dem Neubau der Kirche im Stil des Barock.

Nikolaus Kirche | Kuppel
Die Kuppel in der Nikolaus Kirche hat eine höhe von 70 Meter.

Familie Dientzenhofer

Das Hauptportal wurde von Dientzenhofer Senior gefertigt. Sein Sohn war maßgeblich am Bau der monumentalen Kuppel beteiligt und konnte sie noch kurz vor seinem Tod fertigstellen. Die 70 Meter hohe Kuppel galt lange Zeit als der höchste Innenraum Prags und ist es vielleicht auch heute noch. Die gesamt Kirche hat eine Grundfläche von 40 x 60 Meter.

Der Turm

Ein weiterer interessanter Fakt ist die Nutzung des Glockenturms. Bis 1891 diente dieser als Wachturm gegen Brände in der Stadt oder wenn sich Feinde der Stadt näherten. Aber auch die kommunistische Regierung wusste in der Zeit von 1950 bis 1989 den Turm für ihre Zwecke zu nutzen. Von hier aus wurden die umliegenden Botschaften der westlichen Länder ausgespäht. Seit dem Jahr 2010 ist der Turm für Besucher zugänglich. Wie von den meisten Türmen in Prag hat man auch hier einen herrlichen Ausblick auf die Stadt. Interessanter Weise sind es genau 299 Stufen bis oben. Diese Zahl finde ich bei Prager Türmen öfters. Siehe auch dem Petrin. Ob das von Bedeutung ist? Vielleicht ein gutes Thema für den nächsten Dan Brown.

Nikolaus Kirche | Fresken
Die Fresken in der Kirche des heiligen Nikolaus sind über die gesamte Fläche der Decke verteilt.

Auf zu den nächsten Superlativen. Das Deckenfresko zeigt die Verherrlichung des heiligen Nikolaus und ist mit seinen 1500 qm gigantisch. Es zählt somit zu den größten in Europa. Unter der Kuppel finden wir vier monumentale Statuen von Ignaz Franz Platzer. Dieser hat auch die Plastiken auf der Prager Burg (Gruppe ringender Giganten) und die Plastiken am Hochaltar im Kloster Strahov gefertigt. Ebenso war er beteiligt an den Statuen des Hochaltars in der Kirche St. Nikolaus. Ich muss an dieser Stelle nicht erwähnen, dass dieser Altar der größte barocke Altar in Prag ist. Im Interior findet ihr noch viel mehr Superlativen, wie eine super alte Statur aus Belgien oder die Orgel.

Die Orgeln in der Nikolaus Kirche

Der Organist der Jesuiten war Thomas Schwarz. Er baute in der St. Nikolaus Kirche insgesamt drei Orgeln ein. Zwei von Ihnen sind bis heute erhalten geblieben. Die große barocke Orgel wurde im Jahr 1747 in Betrieb genommen. Sie hat über 4000 Pfeifen mit einer Länge bis zu 6 Meter. Auf dieser Orgel spielte Wolfgang Amadeus Mozart während seines Aufenthaltes in Prag im Jahr 1787. Sie ist heute leider nicht mehr in Betrieb.

Nikolaus Kirche | Orgel Empore
Die Orgelempore der Nikolaus Kirche

Das kleinere Instrument ging schon zwei Jahre früher in Betrieb und wird auch heute noch zu Konzerten eingesetzt. Konzerte sind auch eine gute Möglichkeit die Nikolaus Kirche zu besuchen. Für 490 CZK könnt ihr Euch zu Klängen der kleinen Barockorgel in aller Ruhe die Fresken und den gigantischen Schmuck der Nikolaus Kirche ansehen.

Die Konzertsaison beginnt am 4. April 2020. Hier könnt Ihr Euch schon mal über die anstehenden Konzerte informieren.

http://www.stnicholas.cz/koncerty-1/koncerty/koncertni-sezona-2020.html

Historische Person

Über die historische Person des heiligen Nikolaus gibt es verschiedene Auslegungen und nur wenige belegt Tatsachen. Nach übereinstimmenden Aussagen damals lebender Mönche, wurde Nikolaus in Patara geboren. Patara liegt in der heutigen Türkei, welches aber damals vorwiegend griechisch geprägt war. Nach alten Überlieferungen wurde Nikolaus mit 19 Jahre zum Priester ernannt und später Abt im Kloster Sion bei Myra. Während der Verfolgung der Christen im 4. Jahrhundert wurde er gefangen genommen und gefoltert. Sein Vermögen, welches er geerbt hatte, verteilte er in der notleidenden Bevölkerung. Vielleicht finden wir darin den Ursprung unseres heutigen Brauchtums, in denen Nikolaus Kinder am 6. Dezember eines jeden Jahres beschenkt.


Eintritt

Ja – in dieser Kirche musst Du Eintritt zahlen. Dieser ist für touristische Verhältnisse nicht sonderlich teuer. Ich habe dennoch bei meinen Rundgängen oft Diskussionen an der Kasse mitbekommen, wobei sich über den Eintritt in einer Kirche beschwert wurde. Dabei ist das inzwischen bei besonderen Objekten üblich. Auch in der Kathedrale auf der Burg ist Eintritt schon lange Pflicht. Die meisten Beschwerden kommen übrigens von italienischen Reisegruppen. Vielleicht kostet in Italien der Erhalt der Kirchen nichts.

Erwachsene 100, – CZK
Senioren, Kinder und Studenten 10 – 26 Jahre 60, – CZK
Kinder bis 10 Jahrefrei

Öffnungszeiten

Januar täglich  9.00 – 16.00
Februar bis Oktober täglich9.00 – 17.00 Uhr
November
1. Adventswochenende
an anderen Tagen

9.00 – 16.00
9.00 – 17.00
Dezember (außer zu Weihnachten)9.00 – 16.00
Der letzte Eintritt erfolgt immer 15 Minuten vor Schließung.

Die Karte

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