Colloredo Mansfeld Palast

Einen Lost Place in Prag zu finden ist leider sehr einfach. Obwohl in der Moldau Metropole besonders auf touristischen Routen bereits viel restauriert ist, gibt es da eben diesen einen Palast. Er liegt in Sichtweite der Karlsbrücke nur wenige Gehminuten von der Moldau entfernt. Es ist der Colloredo Mansfeld Palast.

Der Colloredo Mansfeld Palast

Der Colloredo Mansfeld Palast ist einer der besten Beispiele für die Architektur des Prager Paläste zur Zeit des Barock. Seine reichhaltigen architektonischen Elemente reichen vom Hochbarock bis zum späten Rokoko. Das Gebäude selbst, wurde auf den Fundamenten romanischer und gotischer Gebäude erbaut.

Abgestützter Balkon im Colloredo Mansfeld Palast
Hier wird ein Balkon im großen Tanzsaal durch einen Holzbalken abgestützt.

Der schönste und wahrscheinlich am besten erhaltene Raum des Palastes ist der Ballsaal. Dessen endgültige Gestaltung wurde nach heutigem Kenntnisstand zwischen 1736 und 1737 abgeschlossen. Der Saal hat Deckenfresken zum Thema der Versammlung der olympischen Götter.

Im Palast spürt man auch heute noch die Geschichte. Sie ist nicht nur verbunden mit wichtigen Prager Adelsfamilien. Hier spielten sich wichtige kulturelle und historische Ereignisse ab. Es fand hier die letzte Sitzung des königlichen Rates des Winterkönigs nach der Schlacht am Weißen Berg im Jahre 1620 statt. Aber ebenso erzählt man sich, dass hier höchstwahrscheinlich Mozart im Ballsaal gespielt hat.

Galerie im Colloredo Mansfeld Palast

Bereits im Jahrs 1840 fanden in dem Gebäude die ersten Ausstellungen der Fine Arts Union statt. Dabei wurde vor allem zeitgenössische Kunst präsentiert. An dieser Tradition knüpft heute auch die Prager Nationalgalerie an. Sie verwaltet den Komplex des Colloredo Mansfeld Palast. Dabei wird heute wieder eine Etage genutzt, um zeitgenössische Kunst auszustellen.

Lost Place

Der Colloredo Mansfeld Palast befindet sich in einem sehr schlechten Zustand. Hier wurde bis auf wenige Ausnahmen in den letzten Jahrzehnten keine Renovierung mehr vorgenommen. Daher sieht der Besucher heute im Palast zerrissene Tapeten, kaputtes Parkett und notdürftig abgestützte Balkone im ehrwürdigen Tanzsaal. Auch die Risse in den Wänden lassen nicht viel Gutes erahnen. Dennoch ist es zum Glück möglich offiziell fast den gesamten Palast zu besichtigen. Die Nationalgalerie bewirbt ihre Tour mit der Ursprünglichkeit des Gebäudes und dem damit authentischen Eindruck.

Dabei hat die zu sehende Ursprünglichkeit einen politischen und finanziellen Hintergrund. Offiziell wird zwar gesagt, dass die Renovierung bevorsteht, daran glauben will nur niemand. Noch nicht einmal das Personal vor Ort, welches ich befragt hatte, glaubt noch an eine zeitnahe Rettung des Prager Schmuckstücks.

Das Treppenhaus im Colloredo Mansfeld Palast.
Auch im Treppenhaus des Colloredo Mansfeld Palastes sieht man den Renovierungsbedarf.

Schwierige Besitzverhältnisse des Palast

1945 wurde der Palast beschlagnahmt und von der Armee besetzt. Nach der Enteignung der Familie Colloredo Mansfeld ging der Palast in die Verwaltung der Prager Nationalgalerie über. Diese ist seit dem für den Betrieb und die damit verbundene Instandhaltung zu ständig. Wie mit vielen anderen Gebäuden ließ sich der Erhalt solcher adligen Paläste während der kommunistischen Zeit nur schwer bewerkstelligen. Aber auch die politische Wende verhalf dem Colloredo Mansfeld Palast noch nicht zur Rettung.

Die Familie Colloredo Mansfeld erhielt durch die Restriktion nach dem Fall des Kommunismus zwei Schlösser zurück. Das Schloss in Opocno und das Schloss Dobříš. Das letzter Schloss wird heute wieder von der Familie bewohnt und bewirtschaftet. Bei dem Schloss Opocno gab es viele Konflikte. Zuerst erhielt die Familie das Schloss gerichtlich zurück. Daraufhin wurde viel privates Geld in die Restaurierung gesteckt. Ein paar Jahre später entschied ein anderes Gericht, dass die Rückgabe nicht in Ordnung sei. Daraufhin musste die Familie das Schloss wieder an den Staat zurückgeben.

Ehemalige Galerie im Colloredo Mansfeld Palast
Anhand der verblassten Tapete kann man hier noch die Nutzung als Galerie erahnen.

Die ganze Geschichte ist sicherlich auch Teil eine politischen Problems des heutigen Tschechiens. Aber auf Grundlage dieser Differenzen bestehen eben auch Bedenken, wie es mit anderen Objekten bei dem Thema der Rückübertragung aussieht. Und so kann ich heute bei dem Colloredo Mansfeld Palast in Prag leider aktuell nur von einem Lost Place sprechen.

Links zum Colloredo Mansfeld Palast

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Öffnungszeiten

Dienstag bis SonntagSommer10:00 – 18:00 Uhr
Dienstag bis SonntagWinter10:00 – 16:00 Uhr

Eintrittspreise

Erwachsener60 CZK
Ermäßigung30 CZK

Karte

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